Ausstellungsdaten

  • Rathaus Kirchentellinsfurt, 18.07.2014 bis 29.09.2016.

    Ein bebildertes Katalog-
    faltblatt ist gegen eine geringe Schutzgebühr
    (1 Euro) im Bürgerbüro erhältlich.

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Eröffnungsausstellung: Das Künstlerehepaar Hildebrand und die Landschaft um Kirchentellinsfurt

Am Freitag, 18. Juli 2014 wurden der Rathausanbau sowie der neugestaltete Rathausplatz eingeweiht.
Zu diesem Anlass wurde auch eine "kleine" Ausstellung der Kirchentellinsfurter Künstler Günter und Elisabet Hildebrand im Rathaus eröffnet.

In den Durchgangsbereichen des Rathausneubaus ist als erster Teil der Ausstellung ein Querschnitt durch das Werk des Malers und Grafikers Günter Hildebrand aus sieben schaffensreichen Jahrzehnten zu sehen, der durch ein Bild seiner Frau, der Autodidaktin und Kunstlehrerin Elisabet Hildebrand ergänzt wurde.
Der zweite Teil der Ausstellung auf den Rathausfluren belegt mit einer Reihe Kirchentellinsfurter Landschaften und Dorfansichten die innige Verbundenheit des Malers mit seiner zweiten Heimat.

Elisabet Hildebrand, Nachkriegskinder, Öl auf Hartfaserplatte, 1996/97Günter Hildebrand, Häuser an der Dorfstraße, Aquarell über Faserstift auf Papier, undatiert

„Hier in Kirchentellinsfurt begann eigentlich mein zweites Leben.“

Günter Hildebrands Werk ist durch die einschneidenden Erlebnisse von Zweitem Weltkrieg, Werkverlust und Vertreibung deutlich geprägt worden. Dennoch fanden er und seine Frau in der Tübinger Künstlergruppe „Ellipse“ neue Weggefährten und den Anschluss an die Nachkriegsmoderne. Erst im Dezember 1969 bezogen die Hildebrands ihr Häuschen an der Neuen Steige. Aus seinem Rückzugsort Kirchentellinsfurt schöpfte Hildebrand ein außergewöhnliches Spätwerk, mit dem er zur figürlichen Malerei zurückkehrte. So steht nun auch die Landschaft um Kirchentellinsfurt im Zentrum seines Schaffens.

„Ich bin der letzte Fußgänger am Baggersee.“

Erst im Neckartal mit seinem Uferbewuchs aus Weiden, Pappeln und Erlen fand Hildebrand die Landschaft seiner schlesischen Jugend wieder. Er beobachtete das Tal und den Baggersee im Wechsel des Lichts und der Jahreszeiten; regelmäßig konnte man ihn beim Skizzieren und Aquarellieren, aber auch beim Baden und Angeln unten am See antreffen. Hildebrand griff die Motivik des Baggersees erstmals auf, als dieser noch Industriegelände war und begleitete dessen Renaturierung in den 1980-er Jahren. In seinen Ölgemälden ist ein flaschengrünes, von lehmigen Uferstreifen eingefasstes Wasserloch zu sehen, an dessen Ufer sich die ersten Angler und Badenden einfinden. Die Welt des Angelns fand auch in die Druckgrafik Eingang, die Hildebrand als kritisches Medium einsetzte. Nicht nur das Grinsen der Angler und ihr Auftreten als Typus zeigen dabei den deutlichen Einfluss von Otto Dix' neusachlichem Verismus. 

Günter Hildebrand, Baggersee, Öl auf Hartfaserplatte, 1956-62Günter Hildebrand, Liegende, Öl auf Hartfaserplatte, 1960-69Günter Hildebrand, Portraitköpfe, Tempera und Öl auf Leimholzplatte, undatiert

„Niemals 6-spurig durchs Neckartal!“

Hildebrand engagierte sich innerhalb des SPD-Ortsvereins gegen Umweltverschmutzung und für die Erhaltung des landschaftlichen „Urzustandes“, als das Verkehrsprojekt B27 das Tal schließlich für immer zu verändern drohte. Er malte das große Plakat der Bürgerinitiative, das in den Talwiesen verkündete: „Niemals 6-spurig durchs Neckartal“.
Auch das Thema zweier monumentaler, landschaftlicher Linoldrucke ist der Blick vom Dorf zur Industrie des Echaztals und übers baulich verfremdete Neckartal in Richtung Einsiedel:

Günter Hildebrand, Industrie an der Echaz, Linoldruck auf Papier, undatiert

„Über allem schwebt der Bagger.“

Als das alte Schulhaus und weitere Gebäude zu Beginn der 1980-er Jahre im Rahmen der Dorfkernsanierung weichen mussten, hielt er auch ihr Verschwinden bildlich fest. Während Bauarbeiter und Bagger im Vordergrund der Ansicht bereits mit ihrem aggressiven Tun beginnen, wölbt Hildebrand auf seinem kleinformatigen Gemälde eine schützende Glocke über Kirche und Dorf. Gerade Hildebrands dokumentarische Zeichnungen aus dem Dorf belegen seine zärtliche Leidenschaft für das Gewachsene und für die ursprünglichen Strukturen. So wurde Hildebrand in den Jahren 1969-1994 nebenbei zum zeichnerischen Chronisten der Veränderungen in der Kirchentellinsfurter Dorfstruktur und im landschaftlichen Bild des Neckartals.

Günter Hildebrand, Dorfkernsanierung, Tempera auf Leimholzplatte, 1979-84Günter Hildebrand, Bundesstraße B27, Aquarell über Tuschestift auf Aquarellpapier, nach 1984
 

Mit der Ausstellung im Rathaus konnten die Arbeiten 20 Jahre nach dem Tod des Malers erneut der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Gemeinde Kirchentellinsfurt

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